waschies GründerBeauties #5: Stella Strüfing von Laori Drinks

Aus Frust über fehlende Alternativen zu übersüßten Mocktails begann Stella Strüfing, die Gründerin von Laori Drinks, in ihrer eigenen Küche Gin zu destillieren. Knapp eineinhalb Jahre nach der darauffolgenden Gründung ihres Unternehmens hat sich ihr Gin Laori Juniper No 1 im Sortiment zahlreicher Getränkeanbieter etabliert. Im Interview mit waschies® Gründerin Carolin gibt Stella Einblicke in ihr Leben als Gründerin und verrät ihre persönlichen Do’s and Don’ts für eine erfolgreiche Unternehmensgründung.

»Für mich war der Knackpunkt, diese Lücke zu überwinden zwischen „ich will gründen, aber ich traue mich nicht“ zu „ich mache das jetzt wirklich!“«

C: Hallo Stella. Ich freue mich riesig heute hier mit Dir unsere tolle Reihe GründerBeauties fortzuführen. Stell Dich doch einfach selbst einmal vor, Dein Unternehmen, was Du tust und was Dich antreibt!

S: Ich freue mich auch sehr heute dabei zu sein. Mein Name ist Stella, ich bin die Gründerin von Laori. Laori macht eine alkoholfreie Alternative zu Gin, z.B. für Gin Tonic ohne Kater. Ein alkoholfreier Drink, den man auch einfach jetzt schon am Mittag trinken könnte. Ich habe Laori aus einem eigenen Bedürfnis heraus gegründet, weil ich an einem Freitagabend in einer coolen Bar saß mit vielen nicht so schönen Mocktails (ganz viel Sahne mit Schirmchen und vielen Früchten, zuckersüß oder mit Limo). Und da dachte ich mir, ich möchte doch einfach nur einen Gin Tonic ohne Alkohol, das kann doch nicht so schwer sein. Das war im Endeffekt doch etwas schwerer als gedacht. Ich habe mich dann auf die Suche nach Alternativen gemacht, die ich vielleicht einfach nur nicht kannte. Weil es für mich einfach nicht befriedigend war, an einem Freitagabend nur eine Limo oder ein schönes Wasser zu trinken und Dir der Barkeeper sagt „für Dich habe ich eine schöne Rosmarin-Limonade“. Das finde ich einfach nicht zeitgemäß, wenn ich das Gleiche tagsüber und dann auch abends trinke, wenn ich meinen Feierabend einläuten möchte oder etwas Festliches trinken möchte, etwas zu feiern habe. Dann habe ich wie gesagt gesucht, ob es etwas Ähnliches gibt. Es gab ein paar Alternativen aus dem Ausland, die habe ich alle probiert und gedacht „okay, das kann sogar ich besser machen!“ und dann habe ich angefangen in meiner eigenen Küche zu destillieren – klingt komplizierter als es ist. […] Zu dem Zeitpunkt habe ich zum Glück Christian, meinen Mitgründer, kennengelernt. Er ist aus der Schweiz für Laori hergezogen und ist studierter Lebensmitteltechnologe. D.h., er ist auf genau diese Verfahren spezialisiert: wie bekomme ich auf natürliche Weise ganz viele Aromen und Geschmack aus Gewürzen heraus. Und so haben wir zusammen den Prozess neu durchdacht, wie wir an den Geschmack von Gin herankommen ohne künstliche Aromen zu verwenden oder total viel Zucker. Und am Ende kam Laori heraus. Wir haben vor eineinhalb Jahren gegründet, sind seit Januar letzten Jahres auf dem Markt und sind tatsächlich schon ein ordentliches Team von sieben Leuten.

C: Ihr sitzt in Berlin?

S: Wir sitzen in Berlin am Rand, unser Büro ist in Wedding, da sind wir in einem ganz coolen Co-Working Space. Unser Produkt wird teilweise in Frankreich produziert. Dort werden unsere Destillate in Bioqualität hergestellt, quasi direkt vom Feld geerntet und frisch verarbeitet. Im Anschluss stellen wir das finale Produkt hier vor den Toren Berlins her. Eine Stunde von hier auf dem platten Land, das ist ein kleines 100-Seelen-Dorf. Da sind die LKWs, die die Produkte abholen, größer als die Häuser im Dorf.

C: Wie habt Ihr es geschafft, direkt aus der Pandemie heraus zu gründen und Leute einzustellen? Habt Ihr Investoren dazu geholt? Wie habt Ihr das allgemein und auch finanziell gestemmt?

S: Also bis dato haben wir nur gebootstrapt, wir haben also unser eigenes Geld in das Unternehmen gesteckt. Aber wir hatten auch das große Glück, dass wir ein Gründer-Stipendium bekommen haben, über das erstmal unser Lebensunterhalt gesichert war, also von Christian und mir. Wir hatten dann ein bisschen den finanziellen Druck raus, sodass wir auf jeden Fall unsere Miete und unser Essen zahlen konnten und eben nicht auf der Straße landen. Das ist ja auch immer erstmal so die große Sorge, wenn man anfängt zu gründen. Wir haben das Ganze letztens auch nochmal reflektiert und für uns war die Pandemie schon auch ein Startschuss, dass wir richtig richtig hart arbeiten müssen. Wir wollten auch damals schon einen Investor reinnehmen, das passiert jetzt auch nächsten Monat – wir closen aktuell ein Investment. Aber für uns war klar mit Pandemiestart: alle anderen werden vor uns gerettet. Weil alle Investoren erstmal natürlich ihre eigenen Unternehmen retten. […] Gleichzeitig bist du als so junges Unternehmen von Coronafördermaßnahmen ausgeschlossen, d.h., wir haben einfach um unser Leben gekämpft, weil wir natürlich Umsätze zeigen müssen, damit wir irgendwann einen Investor bekommen. Und im Zweifel werden wir eben nicht gerettet, weil es keinen interessiert ob ein zwölf Monate altes Unternehmen weiterbesteht oder nicht. Deswegen haben wir wirklich hart gearbeitet, um unser Überleben gekämpft und ganz knallhart geplant und Umsatz gemacht. Alles andere haben wir erstmal zur Seite geschoben, denn Umsätze waren in dem Moment einfach am wichtigsten.

C: Und wer macht bei Euch den Vertrieb, macht Ihr den selbst?

S: Genau, wir machen alles selbst, bei uns findet ein Teil online statt über Performance Marketing. Da haben wir auch unsere Influencer, die uns dabei helfen, Laori in die Welt zu tragen. Und der andere Teil ist natürlich B2B-Vertrieb. Das macht hauptsächlich mein Mitgründer, der auch das Produkt entwickelt hat und teilweise ich auch noch mit. Aber da profitieren wir auch wirklich von unserem tollen Produkt und meistens haben die Unternehmen dann schon irgendeine Werbung von uns gesehen, das ist immer ganz gut.

C: Steht Ihr jetzt schon für eine Gattung, also typische alkoholfreie Getränke oder alkoholfreier Gin? Und gibt es auch schon Nachahmer?

S: Das ist ganz cool, ich habe erst heute Morgen einen Beverage Report gelesen, in dem stand: „Alkoholfreie Alternativen sind gekommen um zu bleiben“, das hat mich natürlich sehr gefreut. Ich glaube auch, dass da noch was passiert. Wir sind ganz weit an den Anfängen und ich glaube, dass sich das noch viel flächendeckender etabliert. Wir merken jetzt erst, seit wir das machen, wie viele Leute keinen Alkohol trinken und genau dieses Problem wie wir haben, keine für uns genussvollen Alternativen zu haben, wenn man abends unterwegs ist oder auch wenn man was zu feiern hat. Ganz oft ist es ja auch so, dass Leute keinen Alkohol aus Performancegründen trinken, z.B. Sportler oder Schwangere oder Frauen während der Stillzeit. Frauen trinken teilweise bis zu sieben Jahren keinen Alkohol. Und genau das wird immer nicht so richtig ernst genommen. Da bestellen die dann irgendeinen alkoholfreien Sekt, der meistens auch nicht wirklich lecker ist. Und da denkt man sich, kann man nicht einfach mal einen richtig coolen Drink machen, dass sich Schwangere, Frauen, Mütter auch einfach wirklich so fühlen als hätten sie ein gutes Erlebnis.

C: Was sind Deine Jungunternehmer Do’s and Don’ts, was würdest Du anderen empfehlen und was anders machen?

S: Was uns super gut geholfen hat, ist, dass wir einen knallharten Plan gemacht haben, was wir bis wann erreichen müssen, und der wurde umgesetzt. Es gab auch keine Möglichkeit abzuweichen, denn sobald man anfängt mit dem eigenen Ersparnis zu spielen muss man etwas erreichen, weil das natürlich begrenzt ist. Am Anfang haben wir ganz oft gehört: „Ist dir das nicht zu unsicher, wenn du dein Erspartes einsetzt?“. Und naja im Endeffekt macht man ja einen Plan, was man damit machen oder erreichen will und dann ist das ja nicht mehr so dramatisch. Am Ende, wenn ich irgendwo arbeite und ein Budget habe, mache ich ja auch einen ganz knallharten Plan, was ich damit erreichen kann und den größten Effekt haben kann. Und genau das mache ich ja dann mit meinem eigenen Geld noch ein bisschen mehr als mit Geld von jemand anderem. Deshalb: knallharter Plan und gar nicht die Möglichkeit, davon abweichen. […]

Das zweite Do ist auf jeden Fall über Ängste zu sprechen. Denn wenn man über Ängste spricht, dann werden sie so viel kleiner. Für mich war der Knackpunkt, diese Lücke zu überwinden zwischen „Ich will gründen, aber ich traue mich nicht“ zu „Ich mache das jetzt wirklich!“. Und genau das ist für mich der größte Knackpunkt, dass man diese Gap überwinden muss und es schaffen muss, seinen Mut zu finden und zu springen. Genau da hat es mir extrem geholfen mir immer wieder die Frage zu stellen „Was ist das Schlimmste was passieren kann?“. Bei mir muss man sagen war es relativ wenig. Ich habe keine Kinder, ich habe kein Haus, ich habe keinen Mann, deswegen habe ich nicht so viel zu verlieren, dann gehe ich eben im Zweifel wieder arbeiten. Aber es hilft auch mit dem Partner darüber zu sprechen und diese ganzen Szenarien mit Sachverstand und Logik durchzugehen und durchzusprechen, dass man sich vor Augen bringt, was die Worst-Case-Szenarien sind. Für die Finanzplanung haben wir ganz klar durchgerechnet was passiert, wenn wir unsere Top-Umsätze erreichen und was passiert, wenn wir einfach nur Minimal-Umsätze erreichen. Wo sind unsere Stellschrauben, um zu verstehen, wo kann ich eigentlich Geld einsparen, dass wir nicht pleite gehen. Und genau das gibt einem ganz viel gefühlte Kontrolle über das eigene Unternehmen und über die eigene Planung und macht das alles weniger groß und schlimm – man fürchtet sich einfach nicht mehr so doll.

C: Also ist Dein Tipp ganz klar: Best-Case- und Worst-Case-Szenario kennen? Also, dass man genau weiß, wo man durchsegelt.

S: Genau. Und ein letzter Tipp, den ich bekommen habe, bei dem ich dachte, das ist doch total selbstverständlich, ist: „Sei verbindlich!“. Das ist erstaunlich, ich bin auch eigentlich eine sehr verbindliche Person, aber mir wurde nochmal extrem ans Herz gelegt „Stella, tue, was du sagst, was du tun wirst und melde dich zurück!“. Wenn dir jemand Hilfe anbietet und du brauchst sie nicht mehr, dann melde dich zurück und sag es hat sich erledigt, weil das einfach wertschätzend der Zeit deines Gegenübers ist. Das merken wir heute noch, dass wir durch Schnelligkeit und Verbindlichkeit einfach super viel gewinnen.

C: Und was ist das Einzige, von dem Du sagen würdest „oh da habe ich einen Fehler gemacht!“? Gab es so etwas überhaupt?

S: Tatsächlich nicht so richtig. Wir besprechen das auch immer wieder und bekommen total oft die Frage: „Was war die größte Herausforderung?“. Wir merken, dass das ein bisschen von der Betrachtungsweise abhängt. Letztens habe ich einer Praktikantin, die bei uns angefangen hat, erzählt, dass wir nach zwei Monaten unseren Namen ändern mussten, weil wir Abmahnungen bekommen haben und da ging es dann auch mit Anwälten heiß her. Wir mussten unsere erste Produktion, also wirklich alles, komplett ändern. […] Uns hat das dann aber wieder in eine neue Perspektive gerückt. Das mag erstmal groß und dramatisch erscheinen, aber am Ende wurden wir gefragt „geht es eurem Team schlecht?“ Und die Antwort war Nein. „Ist euer Team immer noch super?“ – Ja klar! Unser Produkt schmeckt hervorragend, allen gefällt es. Unsere Kunden lieben uns, am Ende müssen wir nur unseren Namen ändern. Und das ist gar nicht so dramatisch. […] Deswegen hadern wir immer etwas mit der Frage: „Was würdet ihr nie mehr so tun?“. Weil am Ende war auch diese Erfahrung super hilfreich und hat uns total viel beigebracht, z.B. wie schnell wir in so kurzer Zeit reisen können, weil wir unsere ganze Company einfach mal auf links drehen mussten.

C: Und was habt Ihr noch vor? Was ist Eure Perspektive für die Zukunft – sind Produkterweiterungen geplant?

S: Auf jeden Fall kommen noch mehr Produkte. Wir möchten ähnlich wie ihr zu so einem schönen bunten Strauß an Produkten kommen. Das heißt unser erstes Produkt ist jetzt natürlich erstmal der Gin. Dann möchten wir auf jeden Fall noch eine alkoholfreie Alternative zu Rum auf den Markt bringen und dann auch noch zu Whisky. Aktuell schauen wir auch ob wir evtl. auch einen Bitter, also wie Aperol Spritz, auf den Markt bringen. Da gibt es verschiedenste Möglichkeiten.

C: Sehr schön, da gibt es ja eine große Bandbreite, da bin ich auf jeden Fall gespannt. Ich wünsche Euch als Team ganz viel Spaß für die Zukunft, bleibt gesund und ich denke da warten noch tolle Zeiten auf Euch, auch wenn es endlich wieder raus aus der Pandemie geht.

Gründerbeauties by waschies Abschminkpads Laori

waschies® Gründerin Carolin Schuberth interviewt beeindruckende Gründerinnen.

Mehr zu Stellas und Christians Geschichte und zu Laoris Produkten findest Du unter www.laoridrinks.com!

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