Gründerbeauties

waschies GründerBeauties #2: Daniela Meyer und Astrid Zehbe vom Courage-Magazin

Astrid Zehbe und Daniela Meyer verkörpern selbst das, was sie ihren Leserinnen mit an die Hand geben möchten: Courage. In ihrem gleichnamigen Magazin brechen die beiden Finanzjournalistinnen und Mütter eine Lanze für finanzielle Selbstständigkeit und persönliche Weiterentwicklung von Frauen. Wie sie selbst das Spagat zwischen Familie und Beruf meistern und weshalb sich jede Frau mit dem Thema Finanzen auseinandersetzen sollte, haben sie uns im Rahmen unserer GründerBeauties im Interview mit Carolin, der Gründerin der waschies, verraten. 

»Es war uns ein Anliegen, dass man […] Frauen Wissen an die Hand gibt – nicht nur Finanzwissen sondern auch eine Art Empowerment«

1. Wer seid Ihr?

D: Ich bin Daniela Meyer, 41 Jahre alt und bin eigentlich mein ganzes Leben lang schon Journalistin. Ich habe mit 19 schon angefangen, damals bei der Bild, hab dann bei Axel Springer volontiert und bin dann über Umwege beim Finanzenverlag gelandet. Lange Zeit habe ich als Chefreporterin im Ausland gearbeitet, wurde anschließend Mutter von Zwillings-Jungs und einer kleinen Tochter und habe jetzt mit Astrid zusammen Courage gegründet.

A: Ich bin Astrid (Zehbe), wohne in Berlin und bin 37 Jahre alt. Nach meinem BWL- und Journalistenstudium habe ich als Redakteurin beim Finanzenverlag angefangen. Dort habe ich vier Jahre lang Börsen- und Finanznachrichten geschrieben. Ich habe zwei Kinder und während meiner zweiten Elternzeit habe ich zusammen mit Daniela das Konzept für Courage entwickelt.

2. Wie schafft Ihr es mit Kids so ein Magazin zu erstellen? – Wie sieht Euer Zeitplan aus?

D: Wir sagen immer ein Tipp, den man jeder Frau geben sollte und sich auch zu Herzen nehmen sollte, ist »Augen auf beim Eierkauf«. Übertragen auf das wahre Leben bedeutet das: aufpassen bei der Partnerwahl! – da fängt das ganze Thema Vereinbarkeit nämlich schon an. Man sollte mit dem Partner besprechen, wer welche Aufgaben im Haushalt und bei der Kinderbetreuung übernimmt, wenn man denn gemeinsame Kinder haben und auch noch Karriere machen möchte. Man muss es natürlich nicht. Aber wenn man das als Frau möchte, dann muss man sich Hilfe holen, am besten durch den Partner. Bei uns läuft das super, da kümmern sich beide Partner auch um die Kinder und wir haben das auch so aufgeteilt, dass wir abwechselnd die Kinder abholen. Wir haben zum Beispiel eine Babysitterin, die sie zweimal in der Woche abholt und zweimal mein Mann. Ich bin gerade in der schönen Lage und hole sie einmal ab. Mehr würde ich in der Tat gerade nicht schaffen. […]

A: Ein bisschen Mut zur Lücke ist dabei auch ganz wichtig – dass nicht alles immer total perfekt und super getimt ist, dass man vielleicht auch mal ein unaufgeräumtes Wohnzimmer hat und darüber hinwegsieht und es dann eben einen Tag später aufräumt. Ich glaube es ist ganz wichtig und macht das Leben ein bisschen leichter, wenn man nicht den Anspruch an sich selbst hat, dass jetzt alles ganz perfekt laufen muss, denn so läuft es sowieso nur selten.

3. Was wollt Ihr Frauen mit Eurem Magazin an die Hand geben?

A: Uns war es wichtig, dass wir Frauen vor allem ermutigen, sich um ihre Finanzen zu kümmern. Denn vielen ist schon bewusst, dass Altersarmut weiblich ist, sie [Frauen] viel in Teilzeit arbeiten oder sich lange eine berufliche Auszeit nehmen. Sie trauen sich aber trotzdem nicht die elementaren Schritte zu wagen, um die Finanzen selbst zu planen und vor allem, um Altersvorsorge zu betreiben. Als Finanzjournalistinnen sind wir natürlich bereits sehr nah am Thema gewesen und hatten selbst nicht die Angst davor, aber wir haben im Bekannten- und Freundeskreis mitbekommen, dass dies für viele eine riesige Hürde ist und es war uns ein Anliegen, dass man diese Schwelle deutlich niedriger macht und Frauen Wissen an die Hand gibt – nicht nur Finanzwissen sondern auch eine Art Empowerment. […]

D: Wir haben auch gemerkt, dass es durchaus viele Frauen gibt, die sich für das Thema Finanzen interessieren oder denen bewusst ist, dass sie was tun müssen, die aber einfach nicht wissen wie und die auch das Gefühl haben bzw. hatten, dass sie von anderen Magazinen nicht angesprochen werden. Viele der anderen Magazine sind sehr männlich geprägt und eher von Männern für Männer. Da ist dann immer der Schlipsträger vorne drauf, der diese Schornsteinkarriere gemacht hat. Das trifft einfach auf Frauen nicht so richtig zu und Frauen haben auch einfach andere Themen (Teilzeit, Altersarmut) und für die wollten wir  ein spezielles Heft haben, was sie nicht nur vom Look and Feel, sondern auch von den Themen her anspricht und das mit ihnen auf Augenhöhe kommuniziert. Es war uns ganz wichtig ein Frauenmagazin zu kreieren, bei dem Frauen wirklich das Gefühl haben, dass sie mit den Themen ernst genommen und nicht nur als Konsumenten wahrgenommen werden.

4. Wo gibt es das Magazin zu kaufen?

D: Es gibt unser Magazin am Kiosk, an der Tankstelle und im Supermarkt. Wer es nicht direkt am Kiosk um die Ecke bekommt, kann es aber immer dort bestellen. Man kann da den Kioskbesitzer bzw. -besitzerin ansprechen und sagen: »Ich hätte gerne das Courage Magazin!«. Dann bestellen die das meist ganz unkompliziert und wenn sie merken, dass sich das auch gut verkauft und man es auch wirklich abholen kommt, haben sie es bei der nächsten Ausgabe auch vorliegen. Ansonsten kann man es bei uns im Shop unter www.courage-online.de bestellen. […]

5. Welche Themen enthält das Magazin?

A: Es sind langfristige Themen, wie etwa eine langfristige Geldanlage. Denn viele Frauen wollen nicht zocken oder auf irgendeinen Rohstoff setzen, der sich in den nächsten Wochen verdoppelt. Das ist auch überhaupt nicht das Anliegen und viele können das finanziell auch gar nicht, sondern es [Magazin] ist tatsächlich langfristig orientiert, um so die Altersvorsorge zu planen und alles was darum herum anfällt, wie beispielsweise Versicherungsthemen.

D: Eines unserer Hauptanliegen ist auch, den Frauen die Angst vor diesem Thema zu nehmen. Viele denken es ist wahnsinnig schwierig, man muss Wirtschaftswissenschaften studiert haben oder aus einer Familie kommen, in der immer schon an der Börse investiert wurde. Außerdem glauben viele man muss wahnsinnig viel Geld haben, aber das stimmt alles nicht. Ich komme auch aus einer Familie, in der nicht an der Börse investiert wurde, ich habe keine Wirtschaft studiert, sondern Soziologie und Psychologie und Nordamerikastudien, also völlig abseitig und habe das trotzdem hinbekommen und mich da eingearbeitet. Um sich zum Beispiel so einen ETF-Sparplan einzurichten, muss man sich informieren, aber so etwas geht ab 25,-€ im Monat.

6. Was würdet Ihr anderen Frauen raten, wenn sie berufliche Veränderungen wollen, sich aber nicht trauen?

A: Sich doch trauen! Es kommt natürlich auch immer auf die Lebenssituation an. […] Nicht jeder findet in seinem Bereich, in dem er beruflich unterwegs ist einfach so einen Job wieder, wenn er gekündigt hat. Ich würde die Leute erstmal dazu ermutigen einen Plan zu machen. Also einen Businessplan schreiben und überlegen, wie kann das funktionieren und wie kann das vielleicht vor allem auch erstmal nebenberuflich funktionieren. Also dass man jobmäßig gar nichts ändert oder maximal in Teilzeit geht, aber weiterhin das feste Einkommen hat, was wiederum etwas Beruhigendes hat. Dazu würde ich in der ersten Instanz raten und wenn man dann merkt »okay, doch, das könnte funktionieren«, dann ist es manchmal so, dass dann der Sprung ins kalte Wasser einfach nötig ist und in der Regel funktioniert es ja dann auch immer. Wenn man dann noch drum herum schaut, wie krieg ich das mit einem Netzwerk aus Oma/Opa, Tante/Onkel, Freunden und Bekannten, aber auch Kita usw. hin, damit man die Kinderbetreuung irgendwie noch ein bisschen besser gemanagt bekommt, kann man durch diese zweite Stufe dann meistens tatsächlich ein eigenes Business in irgendeiner Form aufbauen.

D: Ich würde auch sagen, wenn man sich zum Beispiel finanziell schon gut aufgestellt hat, bringt es ja eine gewisse Sicherheit mit sich. Also wenn ich meinetwegen seit 5 Jahren meinen eigenen Sparplan und meine eigenen ETFs gemacht habe und bereits selber ein finanzielles Polster aufgebaut habe, dann habe ich auch mehr Freiheit um zu sagen, ich probiere einfach mal sowas, ohne dass ich Angst haben muss, dass ich am morgigen Tag meine Rechnungen nicht mehr bezahlen kann. Daher würde ich dieses finanzielle Polster empfehlen, wenn man irgendwie eine Art Sicherheitsnetz braucht. Mein persönlicher Tipp, der mir auch immer sehr geholfen hat, wenn ich mal unsicher war, ist es, sich einfach mal auf Jobs zu bewerben, die man gerne hätte oder bei denen man vielleicht denkt, dass man die eh nicht kriegen könnte. Schließlich passiert es, dass man dann vielleicht doch eingeladen wird und den Job angeboten bekommt und das gibt wiederum ganz gutes Selbstvertrauen und die Gewissheit, dass selbst wenn das mit meiner Idee jetzt nicht klappt, ich morgen am Tag auch wieder was Neues finde. […]

7. Was sind Eure Wünsche und Ziele? – Wo seht Ihr Euch in ein paar Jahren?

D: Wir hoffen natürlich, dass sich das Magazin weiterhin sehr gut verkaufen lässt, denn es ist bis jetzt sehr gut angelaufen und hat gezeigt, dass es trotz Corona ein wichtiges Thema ist. Das wollen wir natürlich ausbauen, genau wie unsere Online Präsenz in den sozialen Netzwerken. Wir müssen abwarten, wenn es wieder mit Veranstaltungen usw. anfängt, dann werden wir da auch wieder mehr unterwegs sein. Wir haben ja jetzt auch schon vier Ausgaben gemacht, aktuell ist die letzte Woche vor der fünften Ausgabe bis die in die Druckerei kann. Da sind wir gerade noch ordentlich dabei und hauen in die Tasten und wenn die sechste Ausgabe erscheint, ist das Jahr bald rum. Dann müssen wir einfach mal Bilanz ziehen und uns für das nächste Jahr ein paar neue Ziele setzen.

A & D: […] Ganz oben auf der Prioritätenliste ist auf jeden Fall der Ausbau des Inhaltes in die Breite und das weitere Vorantreiben, um eine große Courage Community aufzubauen.

8. Gibt es so ein Magazin in anderen Ländern schon länger?

A: Es gibt reine Businessmagazine, die haben aber selten diesen Finanz- und Investitionscharakter, sondern sind eher so Gründer- bzw. Karrieregeschichten. Aber diese Kombi aus Empowerment, Karriere und Finanzen mit so wirklich konkreten Investitionstipps wüssten wir nicht.

D: Solche Magazine gibt es grundsätzlich mehr im englischsprachigen Raum, also den USA und Großbritannien, die machen deutlich mehr Karrieremagazine, aber auch dort haben wir kein Finanzmagazin für Frauen gefunden. […] Wir haben die Zeitschrift auch Courage genannt, weil wir der Meinung sind, dass in allen Frauen so viel Mut und Courage steckt. Wir Frauen können so viel und machen so viel als Partnerin, Mutter, Gründerin und sind ja auch sehr talentiert darin, viele Dinge parallel zu machen, warum sollte es uns nicht auch gelingen, unsere Finanzen selbst in die Hand zu nehmen?

9. Wann erscheint die nächste Ausgabe?

D: Am 22. Oktober 2020 erscheint sie am Kiosk mit der wunderbaren Verena Pausder auf dem Cover. Sie selbst ist auch eine super Gründerin, an der man sich ein tolles Beispiel nehmen kann.

Gründerbeautiescourage

waschies® Gründerin Carolin Schuberth interviewt beeindruckende Gründerinnen.

Mehr zu den Themen Finanzen, Karriere und persönliche Weiterentwicklung findest Du online unter www.courage-online.de!