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waschies GründerBeauties #6: Marie Bockstaller von Modern Bakery

Als Führungskraft und ehemalige Studentin der Psychologie und Neurowissenschaften kennt Marie Bockstaller die Bedeutung von kleinen Aufmerksamkeiten als Wertschätzung gegenüber Mitarbeitern und Kunden. So entschloss sie sich, ihr Wissen für andere nutzbar zu machen und absolvierte hochschwanger eine Ausbildung zur Konditorin in Frankreich – der Beginn ihres eigenes Unternehmens: der Modern Bakery. Im Interview mit Carolin erzählt Marie die Geschichte hinter ihren Produkten und verrät, wie sie auch anderen Frauen den Weg in die Selbstständigkeit erleichtern möchte.

»Was ich damit zeigen wollte, ist: guck mal, eine Kleinigkeit, die dir zeigt, wie viel Wert du für mich hast.«

1. Hey Marie, stell dich doch einfach kurz vor – was machst du? Was ist deine Passion?

Ich bin Marie, ich bin 31 Jahre alt und – wie man sehr deutlich hören kann – komme ich ursprünglich aus Frankreich und bin damals wegen meines Studiums nach München gezogen. Ich habe Psychologie und Neurowissenschaften studiert und habe eines Tages für mich gemerkt: „Marie, das ist nichts für dich, du musst wieder in Kontakt zu Menschen treten und dich nicht im Labor verstecken!”. Und dann wurde ich tatsächlich von heute auf morgen Führungskraft in einem kleinen Laden, auch einem Food-Start-up und habe ein Team von 20 Mitarbeitern geführt, das ich komplett aufgebaut habe. Da habe ich gemerkt, ja, das ist genau mein Ding. Ich habe gemerkt, ich brenne dafür, Ideen und Konzepte zu verwirklichen. Dann wurde ich schwanger und wusste, wenn ich zurückkomme, wird das nicht mehr dasselbe sein und vor allem: ich will mehr. Ich will nicht weniger machen, wenn ich zurückkomme, sondern ich will noch mehr verwirklichen. Dann habe ich während der Schwangerschaft entschieden, eine Konditorenausbildung zu absolvieren und habe hochschwanger die Prüfung gemacht. Das war quasi mein erster Schritt.

2. Wie verläuft so eine Konditorenausbildung?

Leider hat sie sich ein bisschen verändert seitdem, aber damals war es in Frankreich so, dass einfach gesagt wurde: „Leute, wenn ihr euch alles beibringt und alles lernt und zur Prüfung geht und die Prüfung  schafft, dann habt ihr die Gesellenprüfung geschafft und ihr könnt in Frankreich einen Laden aufmachen und Backwaren verkaufen!“. Also ganz pragmatisch.

3. Also eine richtige Bäckereiausbildung?

Genau, eine Woche Prüfung, auch Buchhaltung bzw. wie man ein Geschäft leitet. Aber ich musste zum Beispiel auch an einem Tag sechs Kuchen backen und Torten. Theoretisch hätte ich damit in Frankreich eine Art Konditorei aufmachen dürfen. Ich dachte, okay, damit kann ich so etwas in Deutschland auch anfangen, aber das war leider falsch. Da gibt es komplett andere Regelungen in Deutschland. In Deutschland gibt es eine Meisterpflicht, man darf also keine Backwaren verkaufen, wenn man kein Meister ist. Da musste ich ein bisschen kämpfen und mehrfach Leute anrufen, damit ich eine Ausnahmegenehmigung bekomme. Ich durfte damals nur ein Produkt backen, die Madeleine, damit ich keine Konkurrenz zu anderen Meistern bin. Ich dachte mir dann, okay, ich teste erstmal die Idee mit einem Produkt und dann schaue ich, wie das später weitergeht. Danach habe ich Backstuben untervermietet und angefangen zu produzieren und zu verkaufen.

4. Wann hast du angefangen?

Das war 2018, im Sommer. Ursprünglich war die Idee, ein Geschenk zu gestalten, das Sinn macht. Ich hatte auch sofort die B2B-Welt im Auge, weil ich viele Dinge gesehen habe, die ich nicht verstanden habe. Warum man irgendwelche Geschenke macht, nur um zu schenken. Aber nicht mit der Intention, eine Beziehung zu pflegen. Es geht nur darum, er hat Geburtstag, er “erwartet” ein Geschenk, deshalb mache ich eins. Das finde ich nicht gut. Das habe ich auch als Führungskraft gesehen. Wenn du anfängst, an der Beziehung zu deinen Mitarbeitern zu arbeiten und siehst, er hat Bedürfnisse und Wünsche – und jeder möchte sich weiterentwickeln, egal in welchem Posten. Man will gesehen werden und man will einen Wert haben. Und als Führungskraft ist es deine Aufgabe, das zu zeigen. Ich dachte, man kann das auch mit kleinen Aufmerksamkeiten zeigen. Ich dachte, vielleicht kann ich dieses Bewusstsein bei Managern, die das noch nicht verstanden haben, mit meinem Produkt schaffen. Auch mit kleinen Gesten kann man sehr viel schaffen, aber das Produkt muss Sinn machen. Du kannst nicht einfach eine Industrieware kaufen und verschenken. Denn genau diesen Eindruck vermittelt man: Du bist nur Industrieware wert. Nein. Du bist viel mehr Wert. Deswegen ist die Geschichte um mein Produkt extrem wichtig. Was ich damit zeigen wollte, ist: guck mal, eine Kleinigkeit, die dir zeigt, wie viel Wert du für mich hast.

5. Wie sieht dein Produkt aus?

Ursprünglich war es eine Box mit Madeleine. Dann kam Corona. Ich habe dann gemerkt, es muss noch tiefer gehen und noch mehr Bedeutung haben. Die Idee kam, die Boxen zu individualisieren. Vorne kommt das Corporate Design der Firma drauf.  Denn Mitarbeiter dieser einen Firma zu sein ist ein Teil der Identität. In der Box sind dann köstliche Leckereien, bei denen ich mit vielen Manufakturen aus Frankreich zusammenarbeite. Ich wechsle immer die Leckereien, die reinkommen. Zurzeit haben wir Nougat und kleine Plätzchen aus dem Elsass. Wie eine kleine Reise durch Frankreich, wir haben aus verschiedenen Regionen verschiedene Produkte zusammengestellt, die auch alle handgemacht sind.

6. Kann man bei Modern Bakery online bestellen?

Ja, es gibt für Privatpersonen einen Onlineshop, da kann man die Standarddesigns wählen, also zum Geburtstag oder als Einladung eine Box verschenken. Das Besondere ist die Idee, von der Ferne Emotionen zu vermitteln. Deswegen haben wir letztes Jahr etwas Neues gelauncht. Wir sind die Ersten, die eine Sprachbotschaft mit in die Geschenkbox integrieren. Die Idee dahinter ist, dass der Chef mit eigenen Worten sagt: „Danke für die tolle Arbeit, die du von zuhause leistest, ich weiß, dass es nicht einfach ist. Ich sehe dich trotz der Ferne und ich bin dankbar, dass du hier mit dabei bist!”. Das Ganze wird dadurch rund, dass es von Menschen kommt. Deshalb wird es von Menschen produziert und von einer Behindertenwerkstatt verpackt. Was mir am Herzen lag, ist, dass jeder Schritt, den wir in der Firma tun, sinnvoll ist und für Menschen geschieht. Wir arbeiten mit einer Blindenwerkstatt zusammen. In der Box findet man dann auch so kleine Visitenkarten, wo man sieht, von wem meine Box verpackt wurde oder welche Manufaktur für mich gebacken hat. Um zu vermitteln, da hat sich jemand Gedanken um mich gemacht.

7. Hast du viel Know-How und Geld investieren müssen, damit es so ist wie es jetzt ist?

Ich habe von vornherein gesagt, ich schaffe das alleine. Ich dachte, es gibt immer einen Weg, der einfach ist. Einfach mit dem ersten Schritt anfangen. Deswegen habe ich am Anfang gesagt, dann teste ich erstmal und backe selbst, ohne dass ich tausende Backwaren einkaufen muss. Das war für mich der einfachste Weg.  Dann habe ich gemerkt okay, die Idee funktioniert und jetzt kaufe ich Ware ein. Da konnte ich sehr nachhaltig mit den Einnahmen, die ich generiert habe, immer mehr einkaufen und größer werden. Man braucht kein Invest von einer halben Million oder so. Es gibt immer einen Weg, vor allem, wenn man eine Geschichte hat. Das war mein Weg.

8. Machst du immer noch alles alleine?

Ne, ich backe gar nichts mehr. Es geht nicht mehr, die Mengen sind zu groß. Sinn der Sache war auch nicht, dass ich in der Backstube stehe, sondern dass das Produkt Sinn macht. Jetzt ist es sinnvoller, Produzenten zu finden, die eine Geschichte haben, die Werte haben und Produkte machen, die super geschmackvoll sind und die man in Deutschland einfach nicht findet. Und auch immer mehr Unternehmen zu finden, die diese Einstellung haben: Wertschätzung für Mitarbeiter und Kunden macht Sinn. Es ist der richtige Weg, um zu wachsen und wirtschaftlicher zu werden – das kann nur mit Menschen funktionieren.

9. Was ist deine Vision?

Meine Vision ist mit der Firma den nächsten Schritt zu gehen und zu überlegen, was kann ich noch an Menschen zurückgeben. Ich habe mittlerweile ein System aufgebaut, das sehr skalierbar ist und von dem viel mehr Menschen profitieren können. Die Vision von mir ist, die Marie von 2017 wieder irgendwo da draußen zu finden. Ich suche Frauen, die spüren, dass sie mehr erreichen wollen und sich zutrauen, das zu schaffen. Ich gebe ihnen ein System, mit dem sie lernen können, wie sie überhaupt ein Unternehmen gründen. Denn das ist die erste Hürde, aber man kann erstmal anfangen und sehen, ob es funktioniert. Ganz pragmatisch. [..] Meine Idee ist es, Frauen zu helfen, sich selbstständig zu machen, damit sie später ihren eigenen Weg gehen können.

11. Wie meisterst du das Spagat aus Kind und Selbstständigkeit aktuell?

Ich bin sehr dankbar, dass ich viel von zuhause erledigen und meine Arbeit einteilen kann, wie ich möchte. Ich habe auch eine ganz tolle Betreuung für Ella. Und mein Mann und ich sind beide zuhause und wir können die Zeit vor und nach dem Kindergarten mit ihr genießen.

Gründer beauties by waschies Abschminkpads

waschies® Gründerin Carolin Schuberth interviewt beeindruckende Gründerinnen.

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